iPad, das aktuelle Spielzeug der Digitalisierung
Schliessen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Zug und fahren von A nach B. Die Zeitungsseiten rascheln und der Geruch des gedruckten Papiers liegt in der Luft… So war das zumindest früher.
Heute ist das ein wenig anders. Immer öfters werden die iPads gezückt und die Pendler klicken sich von Seite zu Seite. Die gelesenen Gratiszeitungen auf den Nebensitzen sind deutlich weniger geworden, die raren Plätze werden jetzt einfach mit den Hüllen für den digitalen Bruder der Zeitung besetzt. Netter Nebeneffekt: Die User sind so beschäftigt, dass lautstarke Telefonate tatsächlich seltener werden…
Irgendwie scheint es, als sei das iPad zum neuen Lieblingsspielzeug der Generation 30+ geworden. Wir ganz Jungen können kaum die Kernzielgruppe der Hersteller sein. Für meine Generation sind die Tablet PCs zu teuer – oder anders gesagt: Luxus. Wir Jungen haben mehr oder weniger alle ein Smartphone, das unsere primären digitalen Bedürfnisse abdeckt. Klar hätte ich auch gerne ein cooles iPad, aber leider fehlt mir das Geld dazu.
Das Ganze kommt mir ein wenig vor wie zu Beginn mit den Gratis-Zeitungen. Der prozentuale Anteil der jugendlichen Leser war zur Zeit der Nur-Abo-Zeitungen sehr gering. Dank 20 Minuten & Co. konnte dann auch die jüngere Zielgruppe ins «Informations-Boot» geholt werden. Die 14- bis 18-Jährigen haben begonnen, (Gratis-)Zeitung zu lesen. Die Folge? Heute, 12 Jahre später, wird der eine oder andere Teenie von damals eine Zeitung abonniert haben… Für unsere Generation heisst das: Wir haben jetzt ein Smartphone, in ein paar Jahren werden wir uns dann einen iPad, oder was dann gerade angesagt ist, leisten können und wollen.
In der Medienbranche, die meist eine Vorreiter-Rolle spielt, sieht das Ganze natürlich ein wenig anders aus. Alleine in unserer Unit besitzen wir drei iPads, die sowohl für Präsentationen, wie auch im Verkauf genutzt werden. Klar scheint jedoch, dass die Tage des klassischen Laptops gezählt sind, weil sich die handlichen Multifunktionsgeräte immer mehr durchsetzen.
Trotzdem ist mir die Zukunft der Tablet PCs noch nicht klar. Einerseits gehe ich davon aus, dass sich dieses Lifestyle-Gadget bei den Über-30-Jährigen weiter durchsetzen wird (iPad 2!), anderseits glaube ich nicht, dass dies bereits die Krönung der Entwicklung ist. Vielleicht haben wir in 10 Jahren nur noch eine Uhr am Handgelenk und eine faltbare Tastatur in der Hosentasche. Oder eine Brille mit integriertem Bildschirm, alles sprachgesteuert…
So oder so: Der Markt scheint schwierig. Das zeigt alleine die Tatsache, dass das Haus Ringier, welches viel Geld in eine iPad-Strategie investierte, das Projekt bereits nach vier Monaten wieder für beendet erklärte. Grund genug für mich, um (vorläufig) bei meinem Smartphone zu bleiben…
Autorin: Natascha Brazerol
