Dennis Lück, Executive Creative Director, FCB Zürich

Zuerst dachte ich, das sei unmöglich, und ich kann hier nichts darüber schreiben. Schliesslich ist das so, als würde man einen Musikproduzenten fragen, wie man Welthits schreibt. Der würde dann antworten: Toller Refrain, noch nie dagewesene Melodie, dann passt das. Und alle denken: Ja, super, jetzt kann ich es auch. So läuft das doch nicht.

Bis jetzt! Denn ich kann nun das Geheimnis lüften. Mit diesen Regeln fliegen euch die Löwen um die Ohren, ihr schreibt Welthits am Fliessband, ihr werdet lebende Legenden in der Sportart eurer Wahl und sogar Nobelpreise sind, nach striktem Befolgen der Regeln, in Reichweite. Einzige Grundvoraussetzung (nach Selbstversuch definiert): Intelligenz auf Okay-Level. Hier also die 10 Regeln, um einen Löwen zu gewinnen:

1) Du musst es wollen.
Denn dann entwickelst du nicht irgendeinen Scheiss. Sondern heissen Scheiss.

2)  Du musst es wollen.
Nur dann weisst du, dass dich selbst eine PoS-Promotion für eine Tütensuppe an dein Ziel bringen kann.

3) Du musst es wollen.
Nur dann bist du immer wachsam. Denn die Inspiration ist ein Arschloch – nie, nie, nie wird sie dir sagen, wann du sie triffst.

4) Du musst es wollen.
Denn nur dann machst du immer weiter und der Schmerz von tausend abgeschossenen Ideen hält dich nicht auf.  Leid ist immer Teil von Sieg!

5) Du musst es wollen.
Denn nur so brennt in dir der Wunsch nach einem 15-Euro-Gläschen-Rosé an der Croisette. Merke dir immer: Du willst Rosé!

6) Du musst es wollen.
Nur dann umgibst du dich mit Menschen, die es ebenfalls wollen. Das macht vieles einfacher. Stell sicher, dass du immer ein bisschen mehr willst als der Rest.

7) Du musst es wollen.
Denn nur so verstehst du: Cannes ist ein Mannschaftssport. Wähle mit Bedacht, wer in deinem Team spielt.

8) Du musst es wollen.
Nur dann werden deine Ideen grössenwahnsinnig. Achtung: Grössenwahnsinnig bezieht sich nicht auf die Grösse. Auch ein Fussbodensticker kann grössenwahnsinnig sein.

9) Du musst es wollen.
Denn nur dann weisst du: Weltklasse Ideen entstehen nur, wenn man auch Metallica hört. Heavy Metal stimuliert das Hirn. Wer Dancefloor-Kacke hört, gewinnt nie einen Löwen.

10) Du musst es wollen.
Denn nur dann findest du immer wieder die Motivation, von vorne anzufangen. Cannes ist immer. In jedem Briefing.

Liebe Kreative, das sind also meine 10 goldenen Regeln. Okay, ist ja nur eine Regel. Aber ich bin mir sicher: Der unbedingte Wille bringt dich nach Cannes. Der Wille schenkt dir auch dazu die Idee. Viel Erfolg und hoffentlich bis bald an der Croisette!

Dennis Lück

Vers le haut

Jason Romeyko, Global Chief Creative Officer Saatchi & Saatchi S.A.

Stand out! Be Interesting. No matter how good your piece of communication is, if you are entering it via a case film it has to be short and well-crafted.

Out of over 2000 entries, too many of them have the same structure, same words, take too long to get to the point and have the same music. To stand out, perhaps try to grabbing the jury’s attention with an old fashioned headline voice over or set up the idea in a way we have never heard before. Then get to the idea quickly. Your film should be no longer than 90 sec. Make sure you show how well your ideas are crafted.

Instead of telling me it had 13 million hits on Youtube, try telling me it was shared 5 million times. The fact that someone loved your work so much to send it to someone else, counts for much more than broadcast viewers.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jason Romeyko

Markus Gut, CCO, Y&R Group, Switzerland

Zuerst braucht es eine grossartige, noch nie dagewesene Idee. Am besten in einer «Rand-kategorie». In der Königskategorie Film sind die Erfolgsaussichten grundsätzlich weniger gut. Auch der Absender ist wichtig. Kennt die ganze Welt den Brand, stehen die Chancen besser als wenn ein regionaler Krämerladen beworben wird. Dann muss die Idee perfekt umgesetzt werden. Design, Foto, Illustration und Text (in Englisch!) sind entscheidend. Und zu guter Letzt ist die perfekte Präsentation unumgänglich. Ein gut gemachter Case-Movie entscheidet oftmals über Löwe oder Tod der Arbeit!

Markus Gut

Alex Schmid, CEO, DACHCOM.DIALOG AG

Gehe bei einer Einreichung genau gleich vor wie bei einer wichtigen Kampagne oder einem Pitch!

Das heisst:

Stelle das beste Team zusammen – setze nur die erfahrensten Leute ein, allenfalls auch externe Spezialisten

Gib dem Projekt die entsprechenden Ressourcen – also Zeit und Geld

Lese dich genau ein und bereite dich gut vor – es führt kein Weg daran vorbei, die Teilnahmebedingungen genau zu studieren

Erstelle ein sehr gutes Kreativbriefing – die Einreichung ist ein separater kreativer Prozess und kein blosses Ausfüllen eines Formulars

Arbeite dich in die Zielgruppe ein – denke an Juroren und Sprachen

Berücksichtige den Kontext, in dem Entscheide getroffen werden – es müssen Tausende von Einreichungen auf engem Raum und unter Zeitdruck beurteilt werden

Definiere Ziel und Zwischenziele – Cannes ist Olympia, hat vier Jahre Vorlaufzeit, die man nutzen sollte, um sich aufzubauen und an nationalen Anlässen fit zu machen

Lege den Medienmix fest – Film, Animation, Ton, Musik, Sprecher, etc.

Teste deine Arbeit und zeige sie involvierten Dritten – zum Beispiel Branchenkollegen

Setze deine Arbeit auf jeder Ebene extrem professionell um – denn Amateure haben in Olympia keine Chance

Verzichte auf eine Einreichung und Präsentation, wenn du nicht zu 100 Prozent von deiner Arbeit überzeugt bist – und spare das Geld fürs nächste Jahr

Alex Schmid

Alex Jaggy, ECD, JvM/Limmat

Wie überzeugt man Fokusgruppen?

Ich habe versucht, ein paar Erfolgsrezepte für Case-Movies zusammenzustellen.

Die richtige Sprache.
Sprechen Sie T-Shirt-Englisch. Möglichst einfach. Denken Sie an die Japaner.

Der richtige Titel.
Ein treffender Titel ist ein guter Katalysator. Und für die Juroren eine wichtige Entscheidungshilfe. Gute Beispiele sind «Twelpforce» für Best Buy, «Whopper Sacrifice» für Burger King oder «The invisible drive» für Mercedes-Benz.

Das richtige Script.
Machen Sie die Sache in 2 Minuten klar. Eine Jury verliert sehr schnell die Geduld. Es hilft, das Manuskript zunächst wie einen PR-Text zu verfassen und anschliessend zu kürzen.

Die richtige Emotion.
Wichtig sind echte Reaktionen von Menschen. Noch wichtiger ist die richtige Wahl der Musik. Klären Sie die Verwendungsrechte ab, sonst wird’s teuer.

Der richtige Humor.
Nehmen Sie sich und die Arbeit nicht zu ernst. Charme und Demut sind gefragt.

Der Erfolgsausweis.
Juroren wollen Ideen sehen, die Meinungen oder Zustände verändern. Ideen, die wirklich etwas bewegen. Objektivieren und quantifizieren Sie den Erfolg der Kampagne so gut wie möglich. Und lassen Sie vor allem andere über Ihren Erfolg sprechen.

Der Killermoment.
Versetzen wir uns kurz in die Lage eines Jurors: Er sitzt tagelang in einem dunklen Raum und drückt Zahlentasten. Es gibt Momente, wo es beim Juror «Klick» macht. Der Moment, der den Juror restlos von der Arbeit überzeugt. Ich nenne ihn den Killermoment. Bei «Deutschland findet euch» war es der weinende Van Bommel mit dem Bild eines vermissten Mädchens. Bei der App «Star Player» für Heineken war es ein Tor von Lionel Messi. Bei «Small Business Saturday» für American Express war es Barack Obama beim Einkaufsbummel.

Mehr weiss ich nicht über Löwen. Nur dass es auch verdammte Glückssache ist, einen zu gewinnen.

Alex Jaggy